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Das “Golden Age” des Radio

Valeria am Dienstag, den 1. November 2011

Hallo … Welt da draußen. Hat euch auch das sich rasch verbreitende Halloween-Virus  mit den sich daraus ergebenden Symptomen wie Kürbisse aushöhlen und sich in Hexen- oder Vampierengewänder  verkleiden infiziert? Gestern Nacht hat man in Deutschland inoffiziell „All Hallows Eve“ bzw. Halloween gehörig gefeiert. Hierzulande heißt das christliche Fest  allerdings Allerheiligen und gilt nur in wenigen Bundesländern als Feiertag, wie beispielsweise Rheinland-Pfalz oder Bayern. In Hessen durften die Halloween-Gleichgesinnten erst nach dem Arbeitstag ausschweifend feiern, also laut  vor der Tür des Nachbarhauses trällern und dafür die Belohnung in Form von „Süßem oder Saurem“ verlangen.  Dies ist die eigentlich harmlose Seite der volkstümlichen Sitte. Ansonsten verbindet man damit Grusel, Spuke und allerlei Ungeheuer, die in der Nacht Unheil stiften. Ausgerechnet den Vorabend dieses berüchtigten Tages haben die CBS-Verantwortlichen vor 73 Jahren für die Erstausstrahlung des Hörspiels „War of  the Worlds“ ausgewählt und haben mit der angeblichen Reportage über den Erdenangriff der Marsbewohner  volens nolens die Massenpanik ausgelöst. Den Roman von Herbert Wells „Der Krieg der Welten“ inspirierte damals Orson Welles und seine  New Yorker Theatergruppe Mercury Theater. An diesem Sonntag konnte man übrigens das brillante Spiel von Welles im Schwarz-Weiß-Klassiker aus dem Jahre 1949 „Der dritte Mann“  beim SWR genießen. Im Hörspiel erschien Welles als fingierter Professor-Astronom Richard Pierson  aus Princeton, der jegliches Leben auf dem Planet Mars leugnete.  Diese Annahmen konnten Millionen auf den Leim gelockte Zuhörer nicht wirklich überzeugen. Kurz vor dem Programmbeginn hat man das Hörspiel angekündigt, darauf folgten die Wetterprognose und das Konzert von Ramon Raquello (tatsächlich aber von Bernhard Herrmann) und seinem Orchester.  Dann wurde das musikalische Programm plötzlich von „breaking news“ unterbrochen. Man hätte Explosionen auf dem Mars gesehen.  Als ob es nicht genug wäre,  berichtete ein Fake-Reporter einige Minuten später von einem zylindrischen Meteoriten, der in New Jersey landete. Zu Tode erschrockene Zaungäste bekamen vermeintlich einen Marsbewohner mit Fangarmen  kurz zu sehen.  Der Zylinder hat sich dann in eine Maschine verwandelt, die die Menschenmasse mit „Heat Rays“ zerstörte. Die Außerirdischen entpuppten sich als echte Fieslinge und setzten ihre Feuerwaffe gnadenlos ein. Ein unbekannter Innenminister mit der nachgeahmten Stimme Roosevelts erklärte dann den Notstand.  Die amerikanischen Bombenflugzeuge wurden laut Meldungen mit feindlichen „Heat Rays“  niedergebrannt.  Die Menschen versuchten in Panik zu flüchten, wie ein anderer Reporter angeblich vom Dach des CBS-Gebäudes berichtete. Kurzum die Welt stand vor dem Abgrund. Die Fiktionalität der Reportage wurde allerdings anschließend wieder erwähnt. Dies hat aber nicht wirklich zur Klärung beigetragen. Denn man  hat kurz danach den bereits bekannten Professor Pierson aus Princeton  eingeschaltet, der  dieses Mal die Folgen der Offensiven bildhaft schilderte. Folglich blieb der Wirrwarr nicht aus, obgleich Welles nach dem einstündigen Radioprogramm die Reportage über den Erdenangriff der Außerirdischen als eine Halloween-Neckerei  entblößte.  Das ist also mehr oder weniger eine Zusammenfassung des geschichtsträchtigen Hörspiels, welches offenbar gar nicht an Aktualität einbüßte. Man verewigte es nämlich als Theaterstück, was schon allein unvorstellbar vorkommt. Radio auf der Bühne? Wie ist das überhaupt möglich? Das so genannte Kryptonite Radio Theater aus Wiesbaden greift zur Radiogeschichte und zeigt das Radio-Machen in meisterhafter Weise, indem sie Audioeffekte visualisiert.  Die kleine amerikanische Theatergruppe unter Leitung von Mat Braun entstand Ende 2010 und nahm sich vor,  das „Golden Age“ des Radio auf die Bühne zu bringen.  Das Hörspiel von Welles erzählten sie aus dem Herzen des fiktiven Senderstudios am 28. Oktober auf der kleinen, nahezu intimen Wiesbadener Theaterbühne namens Walhalla. Ich durfte die Premiere miterleben und war absolut fasziniert.  Sieben phantastische Schauspieler schafften es, dem Publikum die vollkommene Authentizität nicht nur des Amerikas der 30er, sondern auch die von außerirdischen Invasionen  zu vermitteln. Es war keine Vorführung der auswendig hergesagten Stichworte, es gab auch wenig eigentliches Agieren auf der Bühne. Es war das Radio hinter der Kulisse. Daher hat man den Zuschauern nichts vorenthalten.  Fünf Männer teils mit Hosenträgern, teils in karierten Sakkos, zwei Frauen in puritanischen schwarzen Kleidern lasen ihre Rollen nach den Anweisungen des im Saal anwesenden Dirigenten (Regisseurs) vor. Das Septett funktionierte derart abgestimmt, dass man die Plausibilität des Geschehens mit geschlossenen Augen gar nicht zu bezweifeln vermochte. Die Vermittlung des Konzerts aus dem Park Plaza Hotel in New York unterbrach plötzlich die Meldung über Explosionen auf dem  Mars. Den Rest kennt ihr bereits. Das intensive Drehen der Staubsaugerröhre in der Luft hörte sich tatsächlich nach einem fliegenden Ufo an. Und das heftige Schütteln von dem  mit Glasscherben gefüllten Eimer vertonte den Einsturz der Gebäude. Allerdings war es im Gegensatz zu dem 1938 ausgestrahlten Hörspiel wahnsinnig lustig. Ich hoffe,  dass das Radio Theater bald mit einem neuen Stück auftritt und ihr könnt noch die Aufführung eventuell im Frankfurter English Theater sehen.

Allzu wortkarg war ich heute doch nicht, aber es gab einfach so viel, worüber ich euch erzählen wollte. An der Stelle sage ich letztendlich „Tschüss“ und flitze nun zum Schokoladenfondue.

Liebe Grüße,

Eure Valeria.

AS&S Radio-Wissen

CLea am Freitag, den 20. Juni 2008

Achtung Werbung…: 30 Interviews, vier Stunden Audiomaterial, acht Podcasts aus geballtem Radio-Know How, ein einzigartiges Hörkompendium von und über Radiodeutschland. AS&S Radio-Wissen vereint in nie dagewesener Form Deutschlands Hörfunkexperten aus Musik- und Onlineredaktion, aus Geschäftsführung und Off Air-Promotion, aus Programmdirektion und Comedyredaktion. Informativ, unterhaltsam, öffentlich-rechtlich und privat. Ab sofort gibt es hier jeden Monat eine neue Folge AS&S Radio-Wissen zum anhören, herunterladen per RSS-Feed abonnieren oder einfach den netten kleinen Begleittext lesen. Wobei letztere Nutzungsvariante sicher die unspannendste ist.

Ich bin tatsächlich ernsthaft euphorisch, da mir als ausgewiesenem Radio-Fan bis dato noch kein so ausführliches Informationswerk zum Thema Radio unter die Ohren gekommen ist. Der Dank dafür, dass ich dieses Meisterwerk jetzt im Namen von AS&S Radio auch noch selbst veröffentlichen darf, gebührt – so viel Zeit muss sein – der apparat multimedia GmbH in Berlin. Frank Bruders Team hat einen großartigen Job gemacht, sechs Wochen lang Tag und Nacht recherchiert, geschrieben und aufgenommen und schließlich jedes Stück auf acht bis neun begeisternde Minuten komprimiert. Sensationell!

Jedem, der sich für Radio interessiert kann ich das AS&S Radio-Wissen nur wärmstens empfehlen. Wir werden die Reihe definitiv in 2009 fortsetzen, so dass niemand befürchten muss im Februar in ein wissensfreies Loch zu fallen. Hier nochmal der Link und hier nochmal der Feed und jetzt wird gehört!

Onlinecommunities öffentlich-rechtlicher Radiosender

Steffen Persiel am Donnerstag, den 31. Januar 2008

Steffen PersielAntikes Einzelstück °rar° selten!! So könnte man die Onlinecommunity eines öffentlich-rechtlichen Radiosenders anpreisen, würde man sie bei eBay versteigern. Ob sich letztendlich auch ein Käufer findet, ist eine andere Frage.

Der Hessische Rundfunk zählt mit seiner Onlinecommunity hinsichtlich Mitgliederstärke zu den Top3 unter den deutschen Radiosendern – und ist damit eine große Ausnahme. Der schleswig-holsteinische Sender R.SH führt die Rangliste mit 130.000 Nutzern an, darauf folgen Antenne Bayern mit 105.000 und die hr-Community mit 56.000 Mitgliedern.

Von allen 240 deutschen Sendern, die die Radiozentrale auf ihrer Website auflistet, betreibt sogar nur jeder zehnte eine eigene Onlinecommunity, wie meine Marktrecherche zeigt. Woher rührt die Zurückhaltung (privater und öffentlich-rechtlicher) Sender in Sachen Online-Communitys? Und das in Zeiten, in denen etablierte Medienunternehmen immer stärker ins Web 2.0 und Social Networks investieren.

Ein Grund dürfte sein, dass Radiosender ihre Websites nicht als Kernkompetenz ansehen. Ein Livestream plus Studiowebcam und Moderatoreninfos werden oft als ausreichend betrachtet, um die Hörer zufrieden zu stellen. Als Instrument zur Hörerbindung und -gewinnung werden Websites bzw. Communities hingegen nicht betrachtet – sonst wären sie in der Radiolandschaft nicht so selten.

Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen sich sogar der Kritik erwehren, übermäßig in ihre Onlineangebote zu investieren und so die private Konkurrenz zu schwächen. Doch zumindest im Bereich des Hörfunks kann den gebührenfinanzierten Stationen kein Vorwurf der Verschwendung gemacht werden.

Auch beim eingangs erwähnten Hessischen Rundfunk bieten die simplen Chats und Foren keine besonderen Funktionen – aber trotzdem werden sie von erstaunlich vielen Menschen genutzt. Es ist offenbar eine loyale Nutzerschaft, die sich der hr in den letzten Jahren aufgebaut hat, und die es noch immer in die etwas altbacken wirkende Community zieht. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis mehr und mehr User zu Communities mit höherem „Spaßfaktor“ abwandern.

Doch selbst private Vorreiter wie zum Beispiel Antenne West, die mit  friendel.com ein ausgereiftes Social Network auf die Beine gestellt hat, kämpfen noch mit mangelnder Nutzerakzeptanz. Bislang meldeten sich dort erst wenige tausend User an.

Es scheint so, als wäre das antike Einzelstück bei den Nutzern derzeit noch beliebter als die modernen Lifestyle-Produkte. Doch ohne regelmäßige Pflege verblasst irgendwann auch das schönste Erbstück und es landet auf dem Dachboden – oder bei eBay.

Steffen Persiel (25) studiert BWL an der Leuphana Universität Lüneburg und hat auf seiner Website 25 Onlinecommunities deutscher Radiosender unter die Lupe genommen.

Radio – Generation Zukunft

Lutz Kuckuck am Mittwoch, den 12. Dezember 2007

Lutz Kuckuck„Mit Radio erreichen Sie immer die Richtigen. Radio. Geht ins Ohr. Bleibt im Kopf.“So lautet der Claim unserer aktuellen Imagekampagne pro Radio. Diese Schlüssel-Botschaft gilt nicht nur heute sondern auch ganz besonders in der konvergenten Medienwelt von morgen.  

Die aktuelle JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest kommt zu dem Resultat, dass Radio seine Position bei den Jugendlichen durch die Nutzung der vielfältigen digitalen Empfangswege und -möglichkeiten deutlich stärken wird. Radio entwickelt sich durch die neuen Nutzungswege und -formen immer mehr zum Audioallrounder. Audio, verstanden als alle digitalen Facetten und Verbreitungsformen von Radio, gewinnt in der konvergenten Medienlandschaft deutlich an Relevanz. Warum? Das tägliche Medienzeitbudget ist begrenzt. Die Folge: Mit zunehmendem Medienangebot steigt die parallele Nutzung, die aufmerksamkeitsgerichtete hingegen sinkt. Kein Medium eignet sich für die Parallelnutzung und damit zur Tagesbegleitung besser als Radio bzw. Audio.  

Neben seiner bekannten Rolle als unverzichtbares Reichweitenmedium wird Radio/Audio künftig auch als Individualmedium eingesetzt. Mit Webradios und Podcasts gehen Radio-/Audioangebote an den Markt, die sich nur an wenige Hörer wenden können, mit vertiefenden Hintergrundinfos oder Special Interests. Über solche Nischenangebote erreichen Werbungtreibende ihre Zielgruppe ohne Streuverlust, mit einem entsprechend höheren TKP. Die Hörer bewerten die Programmbausteine, innerhalb der Communities tauschen sich die Mitglieder untereinander aus. Die Anbieter wissen immer besser, was die Hörerschaft wünscht.  

Das Radio von morgen „denkt“ weiter und stellt – bei Bedarf – aus den Kenntnissen über die Interessen und Vorlieben des einzelnen Hörers zusätzliche und ganz individuelle Angebote zusammen, die jederzeit abgerufen werden können. Künftig erledigt eine Software die Zusammenstellung des eigenen Programms, Sensoren helfen, die verschiedenen Senderangebote, Podcasts oder Musiktitel passend zur Gemütsverfassung abzuspielen und einzusetzen. Zusatzdienste wie Bildinformationen sind ebenso normal wie Interaktivität und direkte Bestellfunktionen.  

Angebote der Werbewirtschaft können somit ganz gezielt an eine Käufergruppe versendet werden, die auf Grund ihrer Aktivitäten oder ihrer momentanen geografischen Position für bestimmte Themen besonders empfänglich sind. Das steigert die Attraktivität des Programms, und die Wahrnehmung einer Werbebotschaft wird von der Zielgruppe als besonders positiv empfunden. 

PS: Was die digitale Radiowelt der Werbewirtschaft bietet, haben wir auch in einer anschaulichen, unterhaltsamen Video-Soap dargestellt. Hier einen Blick in die Zukunft werfen: http://www.radiozentrale.de/site/590.0.html

Gastblogger in der KW 50

CLea am Freitag, den 7. Dezember 2007

Sensationell: Lutz Kuckuck wird uns in der kommenden Woche einen Gastbeitrag posten. Der Geschäftsführer der Radiozentrale schreibt im radio.blog ein paar Zeilen zur Zukunft des Mediums. Wie wird es aussehen? Was kann es? Warum brauchen wir es in den kommenden Jahren noch notwendiger als zuvor? Die Antworten auf diese und viele andere Fragen gibt’s Donnerstag früh hier im radio.blog. Also: Jetzt RSS-Feed abonnieren, um definitiv nichts zu verpassen oder am Donnerstag früh einfach noch einmal vorbeischauen.

By the way: Am Fuß der Seite gibt es jetzt für alle Mister Wong-Nutzer einen Bookmark-Button…

Screening Radio 2012 – Trends, Szenarien und Businessmodelle

CLea am Montag, den 19. November 2007

Die Radiozentrale hat mit Hilfe einiger Mitgliedsunternehmen eine Umfrage zur Zukunft von Radio aufgesetzt. Sie trägt den klangvollen Titel ”Screening Radio 2012 – Trends, Szenarien und Businessmodelle” und läuft von jetzt an bis zum 30. November 2008. Unter dem folgenden Link gelangen Sie zum Fragebogen, der in etwa 20 Minuten Ihrer Zeit in Anspruch nimmt. Die Radiozentrale und auch wir, die wir unseren bescheidenen Beitrag bei der Entwicklung der Studie leisten durften, würden uns freuen, wenn Sie die Fragen nach bestem Wissen und Gewissen beantworten. Bedenken Sie bitte: Ihre Meinung als Hörer und Anwender ist gefragt – nicht ihre Wünsche als Radio-/Mediaprofi!

Also: Klicken Sie auf das Banner und helfen Sie uns, ein etwas deutlicheres Bild der Hörfunkzukunft zu zeichnen. Danke!

 

 

 

 

 

Trendsetter

CLea am Freitag, den 9. November 2007

Voller Begeisterung habe ich an den letzten beiden Tagen festgestellt, dass AS&S Radio-Geschäftsführer Achim Rohnke den Sprachgebrauch der Radiobranche offensichtlich nachhaltig geprägt hat. Nachdem er in unserer Pressemitteilung zum Radio Day 2007 den Weg der AS&S Radio vom Radio- zum Audiovermarkter beschrieben hat, sind seine Worte sprichwörtlich in aller Munde. Gestern und vorgestern in München audiote es von allen erdenklichen Seiten, dass es nur so eine Freude war. Radiomacher, Berater, Vermarkter, Zukunfts- und Marktforscher, Onliner, Podcaster, Nörgler und Gesundbeter haben plötzlich ”Audio” als die Zukunft von Radio identifiziert.

Bliebe uns eigentlich nur “Herzlichen Glückwunsch” zu sagen und zu der – wenn auch etwas späten – Erkenntnis zu gratulieren, wäre da nicht dieses leichte Zwicken in der Magengegend: Unsere Idee von Audiovermarktung war ursprünglich nicht, einen Hype zu kreieren, der Sales Forces landauf landab dazu veranlasst, ihren alten Wein in neue Schläuche zu schütten, sondern vielmehr die, eine ernsthafte Auseinandersetung mit zukunftsfähigen Geschäftsmodellen für die Vermarktung in Gang zu bringen. Die einfach dahergeplapperte Erklärung ”jo, in Zukunft,  is des jo eh alles Audio” scheint derzeit jedoch auszureichen, um eine ebensolche im Keim zu ersticken.

Vorschlag zur Güte: Wir machen erst einmal und zeigen, was wie funktioniert. Wenn die anderen auch weiterhin so brav nachziehen, führen wir Podvertising, Customized Podcasting und Webradio-Werbung  mit Sicherheit zusammen zum Erfolg. Als erster Schritt in Richtung Werbemodelle der Zukunft wäre das schon gar nicht mal so schlecht, und wenn’s hilft, machen wir natürlich gern weiter das Tempo.

Kreatives Crossmediales Audiotainment

Jens Desens am Dienstag, den 6. November 2007

Jens DesensIch weiß nicht, wie Sie sich diese fantastische Marketing-Wort-Konstruktion übersetzen – ich verstehe und erkläre sie gerne wie folgt:

Meine Mutter sagte einmal: Junge, hast du schon gehört? Unser Nachbar hat heute sein Portemonnaie in der Mülltonne verloren, soll noch Geld drin gewesen sein. Kannst ja mal schauen, ob du es findest. Und wenn du gehst, kannst du bitte unseren Müll mitnehmen, und auf dem Zettel hab ich noch ein paar Dinge aufgeschrieben, die du bitte einkaufen gehst!“

Heute würde ich meine Mutter als mein Vorbild für kreatives (sensationeller Einstieg mit dem Nachbarn), crossmediales (das gesprochene Wort verlängert in Schriftform) Audiotainment (authentisch erzählt, spannend und verständlich) bezeichnen. Unsere Arbeit und unser Erfolg im Radio ist heutzutage immer nur so gut, wie wir die Ziele unserer Kunden in einer schönen, authentischen Geschichte erzählen können, die uns der Hörer abnimmt. Die Geschichte muss nachvollziehbar sein und so einfach, dass der Hörer sie versteht und in ein Handeln im Sinne des Kunden umsetzen kann. Radio ist hier der perfekte Einstieg für einen Werbekunden, dem Hörer/seinem potentiellen Kunden eine Geschichte zu erzählen. Radio ist authentisch, es hat einen hohen Vertrauenswert und es erreicht zu erschwinglichen Preisen eine Masse an Menschen. Und das bis zur kleinsten regionalen Einheit. National agieren, Ziele regional erreichen.

Aus dem Radio heraus kann die Geschichte dann zum Beispiel ins Internet verlängert werden. Oder mit Stunts, Events und Promotions am POS ihre großes Finale erreichen. Radio ist der Ausgangspunkt, alle weiteren Medien bauen dann auf das Ziel des Werbekunden auf. Mit dem Medium Radio ist meist mehr zu erreichen, als man annimmt. 

Die Geschichte mit meiner Mutter ging jedenfalls so aus, dass ich tatsächlich ein Portemonnaie mit 5 Mark im Müll fand. Wer es da wirklich hingelegt hat, habe ich nie erfahren. Die Geschichte war so gut, dass ich selbst heute gern den Müll raus bringe. Man könnte ja eine Brieftasche finden. Schauen Sie doch auch mal nach und wenn Sie eine finden, dann schreiben Sie mir. Das ist dann auch crossmedial!

Wochenendgedanken 1

CLea am Sonntag, den 4. November 2007

“Die Vorteile dieser neuen Wellen für den Hörer stellen zugleich eine Gefahr für etablierte Sender dar: zeitunabhängiges Hören, keine Reichweitenbeschränkung und damit weltweite Empfangbarkeit.” Diesen Satz lese ich gerade im Programmheft der Medientage München. Gemeint sind Internet-Radios oder, um die besagte Publikation weiter zu zitieren, “eine Flut neuer Internet-Radiosender”.

Jetzt beschäftigen wir uns bei AS&S Radio schon eine ganze Weile mit Webradios und arbeiten und diskutieren auf diesem Gebiet mit vielen kompetenten Partner, und ja, Live-Streams im Netz sind ein hochspannender Verbreitungsweg für Hörfunk. Aber: Sind die oben genannten Attribute “Zeitsouveränität und weltweite Verbreitung” tatsächlich die USPs von Webradio. Ich denke nicht:

1. Warum ist die Nutzung eines Livestreams zeitunabhängig? Nach meinem Verständnis ist ein Webradio ebenso linear wie ein terrestrisches. Zeitsouveränität entsteht durch Aufnehmen und späteres Abspielen des Programms. Ob dieses analog oder digital übertragen wird, macht in dem Fall keinen Unterschied.

2. Ich frage mich, wie ein privater Webradiomacher uneingeschränkte, weltweite Reichweite bezahlen soll. Gesetzt den Fall, er würde tatsächlich Zugriffszahlen generieren können, die in die Nähe von Nutzungszahlen klassischer Radiosender kommen, wäre er sicher nach ein bis zwei Stunden pleite.  Die sinnvollste Möglichkeit, die exorbitant hohen Streamingkosten zu kompensieren ist die Werbefinanzierung. Hier werden aber Kontakte im nicht deutschsprachigen Ausland schwerlich zu kompensieren sein.

Ich denke, die große Chance von Webradio liegt in der Nische. Hier geht es nicht um Reichweite, nicht darum AC-Formate ins Netz zu überführen und den terrestrischen Programmen Konkurrenz zu machen, sondern darum, Inhalte für spitze Zielgruppen zu übertragen. Und warum? Weil es bezahlbar ist und weil neue Special Interest-Formate Begehrlichkeiten wecken und Triebfeder sind für den Verkauf von Empfangsgeräten. Wären alternative Formate im DAB finanzierbar und/oder von den handelnden Personen gewünscht gewesen, hätten sie der Technologie zum Durchbruch verholfen. Doch das ist ein anderes Thema.

Da das Internet in erster Linie ein Long Tail-Medium ist und erfolgreiche Geschäftsmodelle (siehe Google) den Mainstream den reichweitenstarken Massenmedien überlassen, wird sich ein erfolgreiches Webradio darum bemühen “anders” zu sein und die Nutzer abzuholen, die in der klassischen Hörfunklandschaft kein Zuhause (mehr) haben. Sender wie You FM oder Sputnik haben sich folgerichtig dafür entschieden, das einfach selbst zu besorgen und ihr Produkt durch den Launch von Spartenkanälen im Internet zu diversifizieren.

Internetradio ist keine Gefahr für klassisches Radio, sondern eine Chance. Eine Chance, die eigene Produktpalette zu erweitern, über einen vergleichweise kostengünstigen Übertragungsweg neue Hörer zu erreichen und sich im digitalen Konkurrenzumfeld zumindest schon einmal zu orientieren. Denn eines ist klar: Radio wird digital und tritt damit automatisch in den Wettbewerb mit Anbietern, die sich bereits länger in der Welt der “absoluten Konvergenz” bewegen und sich entsprechend intensiver mit den einhergehenden Geschäftsmodellen auseinandergesetzt haben. Spartenkanäle im Internet sind kleine Forschungs-U-Boote, die uns wertvolle Daten über diese neue Welt liefern können. Gleichzeitig eröffnen sie uns neue Erlösmodelle im Long Tail und können so die “Zehen” eines neuen Standbeines werden. So wie ehemals reine Internetanbieter immer stärker in die klassischen Medien drängen, müssen wir uns mit mehr Selbstsicherheit und höherer Geschwindigkeit in die Internetwelt einmischen. Am Ende gibt es wieder nur ein Universum, in dem sich die durchsetzen, die die besseren Angebote machen. Ob die Gewinner aus den neuen oder den alten Medien kommen werden, ist noch völlig offen. Nur eines ist klar: Die die jetzt schlafen, werden sicher nicht dabei sein.

Wenn Strahlen strömen

CLea am Montag, den 29. Oktober 2007

Jeder, der sich über die Zukunft unseres Lieblingsmediums Gedanken macht, kommt irgendwann zu dem Punkt, an dem er sich fragt, ob das, was in unseren Köpfen und im weltweiten Netz nach und nach Konturen annimmt, überhaupt noch guten Gewissens als Radio bezeichnet werden darf. Podcast, audio-on-demand-service, personal audio, online-jukebox, social music network, interactive webradio – Musikdienste im Internet haben viele Namen. Manchmal taucht das gute, alte, zweisilbige Radio sogar noch darin auf – zumindest in Kombination mit “Web” oder “Internet”.  Ob das alles überhaupt noch was mit Hörfunk im herkömmlichen Sinne zu tun hat, lässt sich pauschal schwerlich beantworten. Nähern wir uns der Fragestellung jedoch von rein sprachlicher Seite, fällt uns die Lösung quasi in den Schoß:

Radio ist der Ablativus separativus singular des schönen lateinischen Wortes “radius” und beantwortet als solcher die Frage nach dem “woher”. Radio bedeutet also “von dem Strahl” und bezeichnet ein Gerät, mit dem man Rundfunksendungen empfangen kann. Unabhängig davon, dass man die Kiste korrekterweise “unda” benannt hätte, da wir Hörfunk im Volksmund ”von der Welle” und nicht etwa “von dem Strahl” empfangen, kann diese Bezeichnung für das, was wir in Zukunft mit den Ohren konsumieren, sicherlich nicht mehr zeitgemäß sein. Audio kommt demnächst entweder per Stream (engl. “Strom”) oder wird zur späteren Anwendung als MP3- Datei heruntergeladen. Hätten wir also bei der Namensfindung für das adäquate Empfangsgerät in altbewährter Manier die Lateiner und nicht die WWWeisen in Palo Alto konsultiert, hieße es heute schlicht “amni” (lat. “von dem Strom”) und nicht Windows Media-, Real-,Quicktime-Player oder gar iTunes.

Und so wird uns wieder einmal vor Augen geführt, dass das Internet vieles einfacher macht, aber sicher nicht die Sprache. Dem Hörfunk wird es indes egal sein, wie man ihn ruft. Podcast, Amni, Unda, Livestream – wie auch immer. Möglicherweise behält ja auch eine kleine Gruppe Potsdamer Propheten recht, und Radio heißt in Zukunft einfach nur Fritz.

clea


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