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Das Radio und die Währungsunion, Teil 1

CLea am Sonntag, den 8. Februar 2009

Neulich an der Werbezeitentheke:

“Ich hätte gern 250 GRP.”

“Geschnitten oder am Stück?”

“In Breaks, bitte.”

“Darf’s ein bisschen mehr sein?”

“Nur in Berlin, bitte.”

“So, bitteschön. Macht 3,50 €.”

“Geben Sie mir nochmal die Hälfte drauf, bitte.”

“Gut. Das macht dann 5,25. Bitteschön.”

“Hier sind 3 €. Stimmt so.”

“Aber…”

“Tschühüß.”

Werbezeitenverkauf könnte eigentlich immer so einfach sein, wie in dieser alltäglichen Begegnung eines Werbezeitenfachverkäufers mit einem gewitzten Pagen, der GRP für den Haushalt seines Herrn einkauft. Leider stellt uns die Digitalisierung unseres Lieblingsmediums vor das ein oder andere Problem, das den Handel nicht mit der wünschenswerten Leichtigkeit von Statten gehen lässt. Während in der reichweitenstarken analogen Welt das Einkaufen von Werbezeiten und die folgende, zielgerichtete Planung nach wie vor nach Schema F oder vielmehr Schema Radio Xpert funktioniert, überraschen die aufstrebenden Webradiostationen mit “eigenen Messungen” zu Werbemittelkontakten und Hördauer. Was genau unter digitaler Reichweite zu verstehen ist, ist indes unklar. Klar ist, dass (Brutto-)kontakte einschaltgenau gemessen, abgerechnet und reportet werden können. Das bringt das Internet so mit sich. Klar ist auch, dass Radiostreams in der Regel aktiv eingeschaltet werden und den Hörer nicht den ganzen Tag begleiten. Das bringt die neue, noch nicht für alle alltägliche Nutzung via PC, WLAN-Radio oder Mobiltelefon. Die Kontakte, die von Werbetreibende via Webradio zu generieren sind, sind also – wenn auch nicht so zahlreich, wie in der analogen Welt – ihren Preis wert, vereinen sie doch die positiven Eigenschaften von Radio und Internet.

Die Kluft zwischen Werbe- und Responsekanal wird immer kleiner und doch werden die Hürden auf der Zielgerade höher: Wie ist eine ordentliche Planung über analoge und digitale Sender zu realisieren? Es gibt keinen allgemeinen Standard für die Messung von Webradio-Leistungswerten. Weder IVW, noch AGOF, AGMA oder andere halten eine technische Lösung parat, die eine Fusionierung der Webradiodaten in Datenbestände der klassischen Erhebungstools und somit einen Vergleich der Kontaktklassen erlauben würden.

Wollen wir alle auch weiterhin so viel Spaß mit unserem Lieblings(werbe)medium haben, müssen wir verhindern, dass die analoge und die digitale Hälfte kurz vor der Verschmelzung auseinanderdriften und so unser längst überfälliger Eintritt in die digitale Welt noch weiter herausgezögert wird.

Wir brauchen möglichst bald eine gemeinsame Währung oder zumindest eine genormte Schnittstelle, die es Agenturen und Kunden für die Übergangszeit, in der UKW und Digital noch ebeneinander existieren, erlaubt, Planungen über die gesamte Bandbreite von Radio zu realisieren. Es gilt, Radio als Ganzes zu begreifen und das Wort “crossmedial” im Zusammenhang mit Kampagnen, die im UKW- und Webradio laufen, aus unserem Wortschatz zu verbannen. Radio bleibt Radio. egal ob wellenförmig oder aus Nullen und Einsen bestehend. Damit unser Eintritt ins Amalgam Universum trotzdem nicht in Wut, Zähneklappern und den altbekannten Grabenkämpfen zwischen den Systemen endet, sollten wir alles daran setzen, eine gemeinsame, amalgamische Währung zu finden. Schließlich wollen wir unseren Kunden auf der anderen Seite der Theke auch weiterhin beste Qualität anbieten.


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