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Trendforscher

CLea am Montag, den 18. Februar 2008

Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal einem Trendforscher begegnet sind. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wahrscheinlich eher nicht. Denn so eine Begegnung vergisst man nicht so schnell. Ich für meinen Teil hatte in den letzten Monaten das Vergnügen, mich mit einer ganzen Handvoll Trendscouts, Zukunftsforschern, Future-Consultants, Think-Tank-Theoretikern und anderen gut bezahlten Studienschreibern zu beschäftigen. Glücklicherweise haben all diese Begenungen nacheinander und nicht gleichzeitig stattgefunden, so dass mir ein vorschnelles “Tilt” erspart blieb.

Trendforscher sind Menschen, die sich in der Regel mit der Zukunft der Gesellschaft und im speziellen Fall mit der Zukunft der Medien beschäftigen. Sie reden von Technology-Merge, Zielgruppenfragmentierung, webby Usability, postmateriellen Digital-Eliten und Schwarmwissen. Letzteres kennen wir alle: Wenn man einen Terminator trifft, sollte man ihn schleunigst in einen Bottich mit kochendem Stahl schubsen. Alle anderen mehr oder minder rätselhaften Ausdrücke sollen den Weg beschreiben, der uns dahin führt, dass der erste multimediale T2000 das Licht der Welt erblickt, um über eben jene die Herrschaft zu erringen.

Spannend wird’s eigentlich erst, wenn man alle diese aus Sekundärquellen und CATI-Interviews zusammengetragenen Weisheiten in einem 500 Seiten starken Berichtsband auf den Tisch geknallt bekommt. Da stehen dann solche Sätze wie: “TV- und Radionutzung werden durch die weitere Penetration mit breitbandigen Internetanschlussen in den nächsten Jahren einen tiefgreifenden Wandel erfahren.” Oder: “Der Konsument wird zum Nutzer, der sich aus der Lean Back-Position in die Rolle des Protagonisten in seiner interaktiven Medienwelt begibt.” Noch besser: “Die fortschreitende Fragmentierung der Zielgruppen, die letzten Endes zu einer Erosion des Mainstreams führt, und die anytime-anywhere-Mentalität gerade der jungen Bildungseliten gepaart mit der rasanten Entwicklung von Multichannel-Handheld-Receivern nötigt die klassischen Medienhäuser neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die Personalisierung, dem Wunsch nach Zeitsouveränität und Interaktion sowie denkbaren neuen Abrechnungsmodellen Rechnung tragen.”

Unten rechts auf der beiliegenden Rechnung steht dann: 50.000 € netto, zzgl. 19% Mwst.

Mensch, was ein Schnäppchen. Ganz ehrlich:

1. Ich verstehe nicht, warum man Studien betreiben muss, um 500 Seiten Schwarmwissen anzuhäufen.

2. Es ist ja schön, wenn man sich in seinen Ansichten bestätigt fühlt, aber das kann ich beim abendlichen Bier auch gratis haben.

3. Wer erzählt mir denn jetzt eigentlich, welcher Content genau interaktiv und zeitsouverän genutzt wird? Ist es nicht nach wie vor die Qualität der Inhalte, die in jeder wie auch immer fragmentierten Gesellschaft über Erfolg und Misserfolg eines Angebots entscheidet? Wo nehmen wir neuerschlauten Zukunftsmarketeers die schmackhafte Füllung für all diese wohlklingenden aber fadschmeckenden Worthülsen her?

4. Mein Tipp als Hobby-Future-Consultant: Endlich wieder (oder wahlweise weiterhin) qualitativ hochwertigen, relevanten Content produzieren und alles wird gut. Der lässt sich dann nämlich auch vermarkten, weil er genutzt wird.

Radio Tatort

CLea am Montag, den 17. Dezember 2007

Eine passendere Überschrift für diesen kurzen Hinweis wäre eigentlich ”Warum ich es liebe, beim Radio zu arbeiten”. Einer der Gründe verbirgt sich hinter dem folgenden Link. Merke: Radio kann immer wieder Innovationen hervorbringen und positiv überraschen. Nicht nur mit Meldungen zu neuen Vermarktungsformen und technologischen Entwicklungen, sondern mit einzigartigem Content und dessen zeitgemäßer Verbreitung. Als Hörspielfan habe ich einen kleinen Satz mit dem Bürostuhl gemacht, als ich die Meldung im AS&S-Ticker las. Als jemand, der sich mit neuen Formen der Radioverbreitung und -vermartkung beschäftigt, freue ich mich über Weitblick und Mut der Verantwortlichen: Kostenfreie On-Demand-Verbreitung ist die Zukunft! Ein funktionierendes Gechäftsmodell gibt’s ja bereits – zumindest für private Anbieter….

http://web.ard.de/radiotatort/

Auf den Inhalt kommt’s an

MLoeb am Mittwoch, den 14. November 2007

Als das digitale Zeitalter im Hörfunk begann, war auch die Vorraussetzung zur Kompression von Audiosignalen geschaffen – mp3 hat die Welt verändert. Heute gibt es viele Verbreitungswege, durch die Radiohörer immer und überall und gegebenenfalls auch zeitversetzt erreichbar sind. Es ist nichts Neues, dass unsere Gesellschaft mobil ist. Der Radiohörer war es schon lange – zum Beispiel mit dem Autoradio. Aber das Sendegebiet war begrenzt und wenn er seine Lieblingssendung verpasst hatte, dann hatte er sie verpasst. Das ist heute anders. Jetzt kann der Hörer auch in der U-Bahn, beim Bergsteigen, im Café oder im Urlaub sein Wunschradioprogramm abrufen – zeitunabhängig als Stream oder On-Demand-Dienst. Zumindest wenn er es will.

Warum sollte ein Hörer gerade auf das Programmangebot der Öffentlich-Rechtlichen nicht verzichten wollen?

Klar, weil er nur hier einen zentralen „Contentprovider“ findet, der ihm qualitativ hochwertige Sendungen und aktuelle, verlässliche Informationen zu allen Themen und Lebensbereichen liefert. In 2006 entstanden im ARD Hörfunk täglich rund 83.900 Minuten Programm, davon 25.000 Minuten im Bereich Information und Service, 5.900 Minuten Beiträge zu Themen aus Kultur und Bildung und 6.300 Minuten Unterhaltungssendungen. Nur zur Erinnerung: ein Tag hat 1440 Minuten. Unter der Dachmarke ARD entsteht also täglich eine enorme Programmvielfalt, die eine freie und umfassende Meinungsbildung möglich macht. Wer was zu sagen hat, der sagt es in der ARD. Wer mitreden können will, der hört ARD Radios. Neben großen, aktuellen Themen aus Politik, Zeitgeschichte und Gesellschaft ist bei den Öffentlich-Rechtlichen auch Platz für Nischenprogramme und Specials zu Kunst, Kultur und Wissenschaft.

Content ist und bleibt King. Und genau darin liegt das Kapital und die Kompetenz des ARD-Hörfunkbouquets. Die ARD trägt per Programmauftrag Verantwortung für die Bildung der Gesellschaft. Und die junge Generation erreicht man häufig nur noch online oder auf mobilen Endgeräten. Es ist also Zeit für ARD 2.0. Schließlich zahlt der Nutzer Rundfunkgebühren und kann erwarten, dass das Angebot der Öffentlich-Rechtlichen auf allen Verbreitungswegen präsent ist.  

loeblich

CLea am Freitag, den 9. November 2007

Nächste Woche begrüßen wir im radio.blog wieder einen prominenten, kompetenten und willigen Gastblogger: Michael Loeb hat sich freundlicherweise dazu bereit erklärt, uns kommenden Mittwoch einen kleinen Artikel zu posten. Michael Loeb ist seit 2001 COO der WDR Mediagroup in Köln, dazu seit 2000 Geschäftsführer der Tochterfirma WDR Mediagroup Licensing und schließlich seit Anfang 2007 auch Geschäftsführer von Colonia Media. Im radio.blog wird er über sein zentrales Thema schreiben: König Content, der auch in der digitalen Welt eine lange und erfolgreiche Regierungszeit vor sich hat.  

Wir sind gespannt und freuen uns wie jeck auf Post aus Köln!


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