Archiv der Kategorie ‘Nichts für Ungut‘

Das hat doch alles mit Radio nichts mehr zu tun…

CLea am Freitag, den 6. Februar 2009

…ist aber das Treffendste, was ich seit langer Zeit gehört habe. Meine Kollegin Frau Hartinger brachte unseren Lebensraum gerade wie folgt auf den Punkt:

“Die Mediabranche ist wie ein Tümpel mit Wasserleichen. Wer abtaucht, taucht auch irgendwo wieder auf.”

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen…

Trendforscher

CLea am Montag, den 18. Februar 2008

Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal einem Trendforscher begegnet sind. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wahrscheinlich eher nicht. Denn so eine Begegnung vergisst man nicht so schnell. Ich für meinen Teil hatte in den letzten Monaten das Vergnügen, mich mit einer ganzen Handvoll Trendscouts, Zukunftsforschern, Future-Consultants, Think-Tank-Theoretikern und anderen gut bezahlten Studienschreibern zu beschäftigen. Glücklicherweise haben all diese Begenungen nacheinander und nicht gleichzeitig stattgefunden, so dass mir ein vorschnelles “Tilt” erspart blieb.

Trendforscher sind Menschen, die sich in der Regel mit der Zukunft der Gesellschaft und im speziellen Fall mit der Zukunft der Medien beschäftigen. Sie reden von Technology-Merge, Zielgruppenfragmentierung, webby Usability, postmateriellen Digital-Eliten und Schwarmwissen. Letzteres kennen wir alle: Wenn man einen Terminator trifft, sollte man ihn schleunigst in einen Bottich mit kochendem Stahl schubsen. Alle anderen mehr oder minder rätselhaften Ausdrücke sollen den Weg beschreiben, der uns dahin führt, dass der erste multimediale T2000 das Licht der Welt erblickt, um über eben jene die Herrschaft zu erringen.

Spannend wird’s eigentlich erst, wenn man alle diese aus Sekundärquellen und CATI-Interviews zusammengetragenen Weisheiten in einem 500 Seiten starken Berichtsband auf den Tisch geknallt bekommt. Da stehen dann solche Sätze wie: “TV- und Radionutzung werden durch die weitere Penetration mit breitbandigen Internetanschlussen in den nächsten Jahren einen tiefgreifenden Wandel erfahren.” Oder: “Der Konsument wird zum Nutzer, der sich aus der Lean Back-Position in die Rolle des Protagonisten in seiner interaktiven Medienwelt begibt.” Noch besser: “Die fortschreitende Fragmentierung der Zielgruppen, die letzten Endes zu einer Erosion des Mainstreams führt, und die anytime-anywhere-Mentalität gerade der jungen Bildungseliten gepaart mit der rasanten Entwicklung von Multichannel-Handheld-Receivern nötigt die klassischen Medienhäuser neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die Personalisierung, dem Wunsch nach Zeitsouveränität und Interaktion sowie denkbaren neuen Abrechnungsmodellen Rechnung tragen.”

Unten rechts auf der beiliegenden Rechnung steht dann: 50.000 € netto, zzgl. 19% Mwst.

Mensch, was ein Schnäppchen. Ganz ehrlich:

1. Ich verstehe nicht, warum man Studien betreiben muss, um 500 Seiten Schwarmwissen anzuhäufen.

2. Es ist ja schön, wenn man sich in seinen Ansichten bestätigt fühlt, aber das kann ich beim abendlichen Bier auch gratis haben.

3. Wer erzählt mir denn jetzt eigentlich, welcher Content genau interaktiv und zeitsouverän genutzt wird? Ist es nicht nach wie vor die Qualität der Inhalte, die in jeder wie auch immer fragmentierten Gesellschaft über Erfolg und Misserfolg eines Angebots entscheidet? Wo nehmen wir neuerschlauten Zukunftsmarketeers die schmackhafte Füllung für all diese wohlklingenden aber fadschmeckenden Worthülsen her?

4. Mein Tipp als Hobby-Future-Consultant: Endlich wieder (oder wahlweise weiterhin) qualitativ hochwertigen, relevanten Content produzieren und alles wird gut. Der lässt sich dann nämlich auch vermarkten, weil er genutzt wird.

Gastbeitrag in der KW5

CLea am Mittwoch, den 30. Januar 2008

Es ist schon ein Kreuz mit dem Internet: Die einen wollen gerne, dürfen aber nicht, die anderen dürfen, können aber nicht und die dritten können, wollen aber nicht.

Die Onlineauftritte der deutschen Hörfunkstationen könnten unterschiedlicher nicht sein, nur eines scheinen sie gemein zu haben: So richtig prima sind sie nicht. Alles redet von Web 2.0, und klassizistische Medienunternehmen wie zum Beispiel der Madsack Verlag oder die WAZ-Gruppe investieren fleißig in Social Networking-Sites und andere fortschrittliche Plattformen. Nur die Radiobranche schlafwandelt äthertrunken weiter und träumt davon, dass Tim Berners-Lee nie geboren wurde. Ist es wirklich so schlimm? Gibt es noch Rettung?

Kritische Worte im Bezug auf die Online-Communitys deutscher Radiosender gibt es ab morgen hier im radio.blog zu lesen. Vor zwei Tagen bekam ich eine Mail von Steffen Persiel. Steffen studiert BWL und Marketing an der Uni Lüneburg und hat den ganzen WWWahnsinn mal näher unter die Lupe genommen. Die Zusammenfassung seiner Studie, die er uns zur Veröffentlichung im Blog anbot, liest sich sehr spannend, daher geben wir seiner kritischen Stimmen gerne Raum sich zu artikulieren. Noch viel lieber lassen wir kritische Stimmen für ihre eigenen Worte auch geradestehen. Daher habe ich gesagt, “Herr Persiel”, habe ich gesagt, “Herr Persiel, schreiben Sie doch mal einen Gastbeitrag, von dem wir uns dann präventiv distanzieren können. Wir werden jedwede Verbindung zu ihnen leugnen und im Zweifel behaupten, Lüneburg sei nur eine kollektive Wahnvorstellung der Nachkriegsgeneration. Einverstanden?”

Viel Spaß dann ab morgen mit dem Gastbeitrag von Steffen Persiel!

Die Jungs aus dem Norden sind so leicht zu manipulieren…

Es schleift…

CLea am Montag, den 28. Januar 2008

Im radio.blog schleift es ein wenig in den letzten Wochen. Neue Artikel werden nur spoardisch veröffentlicht, Gastblogger wurden seit Weihnachten überhaupt nicht mehr gesichtet, und böse Zungen könnten behaupten, dass für eine handvoll Zeilen schon einmal die ein oder andere Pressemitteilung im schlanken Copy-Paste-Verfahren gepostet wird. Dafür bitte ich in aller Form um Entschuldigung und gelobe Besserung. Wir sind derart rasant in das neue Jahr gestartet, dass für die Freuden der Blogpflege derzeit relativ wenig Zeit zur Verfügung steht. Nicht, dass es an Themen mangeln würde, allein die Gelegenheiten sind rar gesät und willige Autoren Mangelware.

Schon längst hätte ein Artikel über die derzeit grassierende Pflichttextseuche erscheinen sollen, und auch das Posting zu unserer erfolgreichen Weihnachtsradio-Kampagne mit Neckermann.de ist seit Wochen überfällig. Unterhaltsame Momente wären sicher auch der letzten Reise mit dem Kollegen Michael W. aus München ins Ländle abzugewinnen, doch alles, was Herr Walter mir heute an meinem Arbeitsplatz hinterließ war ein mit blauem Textmarker eilig auf die ENERGY-Schreibunterlage gekritzelter FC Bayern-Schriftzug. Dabei hatte ich so auf einen detaillierten Bericht von den Geschehnissen im Irish Pub des Millenium Hotels Stuttgart gehofft…

Das alles und noch viel mehr wird hier in Bälde zu lesen sein. Naja, die Geschichte mit dem Pub vielleicht doch nicht…

Bis dahin bitte ich noch ein paar Tage um Verständnis und setze noch diverse kleine Teases obendrauf: Die RADIOSTARS 2008 werden eine Sensation, der diesjährige Radio Day am 12. Juni in Köln wird richtig großer Sport und auch der AS&S Radio-Club on Tour kann mit der ein oder anderen, veritablen Überraschung aufwarten. Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass 2008 ein sehr spannendes und ereignisreiches Radiojahr wird. Nicht mal der geplante Pflichttext für quarzhaltige Armbanduhren kann uns davon abhalten, auch weiterhin ordentlich Gas zu geben. Auch im Blog geht’s bald in gewohnter Stringenz weiter, versprochen.

Pressemitteilung der Radiozentrale

CLea am Dienstag, den 22. Januar 2008

Meine liebe Kollegin Susanne Baldauf von der Radiozentrale schickte mir gerade diese Pressemitteilung, die es verdient möglichst rasant verbreitet zu werden. Podcasting, Web- und Digital Radio rocken nämlich nur, weil Radio prinzipiell rockt und zwar kräftig. Nicht, dass das hier in Vergessenheit gerät…

Höchster Werbemarktanteil für Radio seit 2000 / MedienRat-Institut erwartet weiteren Erfolgskurs für Radio/Audio

 Berlin, 21. Januar 2008 – Mit einem Brutto-Werbemarktanteil von 6,2 Prozent und einem absoluten Bruttowerbevolumen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro fährt die Radiobranche im Jahr 2007 ihr bestes Ergebnis seit der Jahrtausendwende ein. Mit einem siebenprozentigen Umsatzplus setzte sich der Hörfunk im ver-gangenen Jahr nach der Außenwerbung auf Platz 2 der Wachstumsbranchen.
(Quelle: Nielsen Media Research, Entwicklungsverlauf s. Chart im Anhang).  „Ein Feuerwerk an Angebotsformen und innovativen Aktionen hat Radio in 2007 stärker in den Fokus gerückt, zahlreiche Neu-Kunden konnten gewonnen werden. Kein anderes Massenmedium hat sich die Potentiale aus dem Web so schnell nutzbar gemacht. Und auch 2008 wird Radio seine Kernstärken weiter ausspielen, auf digitale und crossmediale Ansätze übertragen und damit neue Chancen im wachsenden Audiomarkt zusätzlich ergreifen“, resümiert Lutz
Kuckuck, Geschäftsführer der Radiozentrale.
 Zu dieser Einschätzung kommt auch die gerade veröffentlichte Studie „Media-trend 2008“ des MedienRat-Instituts in Berlin, wonach Radio/Audio gemeinsam mit dem Sektor Mobile Media nach Internet die größten Wachstumschancen zugeschrieben werden. 58,3 Prozent der befragten Medienexperten erwarten im neuen Jahr für das Internet eine positive Entwicklung. 16,7 Prozent sagen dies für den Radio-/Audiobereich voraus, ebenfalls 16,7 Prozent rechnen für Mobile Media mit Wachstum. Für den Sektor Radio/Audio stellt dies im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Steigerung dar (2006: 10,5 %). Leicht erholt zeigt sich das Fernsehen, bei dem inzwischen fast jeder zehnte Medienexperte eine gute Entwicklung prognostiziert. Mehr Informationen zur Expertenstudie unter www.medienrat-institut.de 

Lutz Kuckuck: „Wir sehen in solchen Ergebnissen den Beweis dafür, dass Radio nicht nur aktiv den Sprung in die digitale Welt gestaltet, sondern seine vielfältigen Aktivitäten auch bereits im Markt verankern konnte.“

12 Thesen

CLea am Montag, den 3. Dezember 2007

Die T-Systems hat hier ein Thesenpapier zum Download bereit gestellt, das die nach Meinung der Media Broadcast zwölf wichtigsten Voraussetzungen zur erfolgreichen Einführung von Digital Radio skizziert. Als entscheidender Faktor wird die “gezielte, massive Endgerätepenetration” genannt. Weiter sei die Konzeption neuer Programmformate, die in dem Papier tatsächlich als “die Betrachtung des Undenkbaren” bezeichnet wird, nicht ganz unerheblich für den Take Off der alten Ente DAB. Diesen neuen Formaten wird natürlich nicht von “Must-Carry-Angeboten” – so der T-Ausdruck für die bestehenden öffentlich-rechtlichen und privaten Radiomarken – sondern vom großen, mysteriösen Plattformbetreiber höchstpersönlich Leben eingehaucht. Alles weitere bitte selbst lesen und Meinung bilden. Solange das Thesenwerk der Auseinandersetzung mit der Digitalisierung dient, kann’s ja nicht schaden…

Auch wenn ich mir zu den Themenbereichen Qualitäts-Content, journalistische Unabhängigkeit, Medienmarken usw. noch den ein oder anderen Satz mehr gewünscht hätte, stimme ich in einem Punkt sogar gerne zu. Solange es sowas hier nur für UKW gibt, wird’s mit Digital sicher noch eine Weile klemmen:

 

 

 

 

 


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