Alles wird gut
Michael Lutter am Dienstag, den 27. November 2007
Es war der letzte Freitag in der Seminarreihe des AS&S Radio-Club Workout 2007 in München, und ich wusste plötzlich dass dieser Tag böse enden würde. Mitten im Vortrag wurde aus einem unbestimmten Grummeln im Kopf innerhalb einer Stunde eine gut ausgeprägte Migräne mit allem was dazu gehört. Das Mittagessen ließ ich schon wohlweislich ausfallen und verabschiedete mich ein wenig später ins Hotelbett hinter zugezogene Vorhänge. Aber wie immer (LeidensgenossInnen wissen Bescheid): Am nächsten Tag war alles wieder gut und eitel Sonnenschein. Und das nutzte ich gleich, um mich bei Olaf Mierau zu bedanken. Olaf war an dem Tag mein Mitstreiter. Ein großes Glück. Olaf ist ein mit allen Narben gezeichnetes Audio-Tier und der Platz hinter den Reglern und Mikrofonen sein natürlicher Lebensraum. Das sah man gleich, bevor man es hörte. Sehr große Sorgen hatte ich mir da nicht gemacht.
Und so war es auch, wie er mir berichtete. Alles war gut gelaufen. Fünf bis sechs Funkspots seien noch entstanden, alle gut bis richtig gut. Und ob es mir auch wieder gut ginge, kam die Frage. Da hätten sich doch alle Sorgen gemacht, so Scheisse wie ich auf einmal ausgesehen hatte. Ja danke, alles wieder gut – und alles war dann auch gut.
Ich war doch wieder sehr erstaunt und erfreut. Acht Leute hatten in wenigen Stunden so viel hinbekommen – auch ohne mich. Acht Leute, die sonst etwas ganz anders tun müssen. Meistens in der Media-Planung Zahlen zusammenstellen. Rabatte rausschlagen. Aber kaum Funkspots kreieren, aufschreiben, produzieren. Es ist immer wieder erstaunlich. Am Ende entstehen so viele gute Spots, oft viel bessere als die, mit denen man tagtäglich belästigt wird. Natürlich ist hier freies Arbeiten angesagt. Keine alles zerredenden Meetings, kein Druck, keine unerfüllbaren Vorgaben. Aber am Anfang schon ein professionelles Briefing, ein richtiger Kunde ein echtes Produkt. Und am Ende gute Radiospots. Toll.
Weil wir in den Stunden davor die Köpfe und Herzen dafür geöffnet haben? Weil in Hörbüchern und Podcasts allgemein wieder mehr zugehört wird? Weil die Ohren – und nicht die längst übersättigten Augen – vielleicht das größte Einfalltor zur Phantasie sind? Wie auch immer. Am Ende bleibt das gute Gefühl, dass es mit der Radiowerbung wieder besser, schöner und aufregender wird, wenn wir alle so weiter machen. Ich freu mich schon auf nächstes Jahr!

Bin beim Stöbern im Netz zufällig über 
Als das digitale Zeitalter im Hörfunk begann, war auch die Vorraussetzung zur Kompression von Audiosignalen geschaffen – mp3 hat die Welt verändert. Heute gibt es viele Verbreitungswege, durch die Radiohörer immer und überall und gegebenenfalls auch zeitversetzt erreichbar sind. Es ist nichts Neues, dass unsere Gesellschaft mobil ist. Der Radiohörer war es schon lange – zum Beispiel mit dem Autoradio. Aber das Sendegebiet war begrenzt und wenn er seine Lieblingssendung verpasst hatte, dann hatte er sie verpasst. Das ist heute anders. Jetzt kann der Hörer auch in der U-Bahn, beim Bergsteigen, im Café oder im Urlaub sein Wunschradioprogramm abrufen – zeitunabhängig als Stream oder On-Demand-Dienst. Zumindest wenn er es will.